In einem Drei-Personen-Haushalt muss täglich bis zu zehn Liter Wasser von der Raumluft aufgenommen werden. Deshalb muss ein Luftaustausch mit der trockeneren Außenluft stattfinden, um die Feuchtigkeit wieder abzuführen. Bei undichten Fenstern und Außentüren geschieht dies selbsttätig und unkontrolliert. Das hat aber meist den Nachteil, dass der Luftaustausch viel größer ist, als er sein müsste. Da die eindringende kühlere Außenluft auf Raumtemperatur erwärmt werden muss, geht dadurch Heizenergie verloren. Dieser Verlust kann die Hälfte der Transmissionswärmeverluste durch eine ungedämmte Außenwand erreichen.

Die gegenteilige Situation stellt sich bei dichten Fenstern und Außentüren ein: Die täglich entstehende Feuchtigkeit muss dann durch aktives Lüften entfernt werden. Geschieht dies nicht, kommt es unvermeidlich zur Schimmelbildung. Beim aktiven Lüften sollte man darauf achten, dass nur soviel Luftaustausch stattfindet, wie nötig ist, um die relative Raumfeuchte unter ca. 60% zu halten. Man sieht heute eine Lüftung mit mindestens 0,3 Luftwechsel je Stunde (Austausch des gesamten Luftvolumens eines Raumes innerhalb von 3,3 Stunden) als ausreichend an, um sowohl die überschüssige Feuchte wie auch die CO2– und Schadstoffbelastung abzuführen.

Die aktive Lüftung erfolgt entweder manuell durch zeitweises Öffnen der Fenster oder automatisch durch eine Lüftungsanlage.

Bei manueller Lüftung erreicht man die Luftwechselzahl von 0,3 je Stunde, indem man etwa über den ganzen Tag verteilt

  • bei Durchzug alle 2 Stunden 5 Minuten
  • ohne Durchzug alle 2 Stunden 10 Minuten

stoßlüftet. Während der Stoßlüftung sollten die Heizkörper-Thermostate ausgeschaltet (bzw. auf tiefste Temperatur gestellt) werden.

Da die oben genannte Regel im allgemeinen nicht praktikabel ist, sollte man immer dann, wenn Feuchtigkeit in einem Raum entstanden ist, z. B. nach dem Duschen im Bad, Kochen in der Küche oder am Morgen beim Aufstehen im Schlafzimmer eine Stoßlüftung von 10 Minuten durchführen und wenn möglich eine Stunde später wiederholen. Mit dieser zweiten Stoßlüftung führt man einen Großteil der in den Wänden oder Handtüchern zwischengespeicherte Feuchtigkeit ab, die nach der ersten Stoßlüftung wieder in den Raum abgegeben worden ist.

Folgendes Diagramm zeigt modellhaft den Verlauf der Raumfeuchte bei unterschiedlichen Luftwechselraten während der kalten Jahreszeit:

(Quelle: Fraunhofer-Institut für Bauphysik)

Die zuverlässigste und komfortabelste Lösung des Lüftungsproblems bieten zentrale oder dezentrale Lüftungsgeräte. Sie haben gegenüber der Fensterlüftung folgende Vorteile:

  • Wärmerückgewinnung bis zu 90%
  • Filterung der Außenluft durch auswaschbare Pollenfilter
  • Starke akustische Entkopplung vom Außenlärm (z. B. an einer stark befahrenen Straße)
  • Geringe, nicht als störend empfundene Luftgeschwindigkeiten
  • Definiert einstellbarer Luftdurchsatz (in m³/h) für jeden Raum

Insbesondere dezentrale Lüftungsgeräte können praktisch in jedem Raum in einem Bestandgebäude eingebaut werden. Sie sind preiswert und ihr Einbau erfordert keine umfangreichen Baumaßnahmen.